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Leiden University

 Jan Romein

 Das zerschmetterte Bild. Über die Erforschung der Ursachen unseres Aufstandes (1939)

 

Dissentiunt viri docti

Übersetztung aus dem Niederländischen: David Schmidhofer und Zoë Garscha, Wien

 

Jan Marius Romein (1893-1962) studierte Niederländisch und Geschichte in Leiden und promovierte dort 1924 bei dem Slawisten N. van Wijk mit dem Thema Dostojewski in der westlichen Kritik (Dostojewskij in de westersche kritiek. Een hoofdstuk uit de geschiedenis van den literairen roem, Haarlem, 1924). Zusammen mit A. Romein-Verschoor publizierte er in den 30er Jahren zwei für ein breiteres Publikum bestimmte Werke über die niederländische Geschichte: De lage landen bij de zee. Geïllustreerde geschiedenis van het Nederlandse volk (Utrecht, 1934, seitdem mehrmals überarbeitet und neu aufgelegt) und Erflaters van onze beschaving. Nederlandse gestalten uit zes eeuwen (Amsterdam, 1938-1940, 4 Bde., seitdem mehrmals neu aufgelegt). 1939 wurde er zum Professor für niederländische Geschichte an der Gemeentelijke Universiteit van Amsterdam, der heutigen Universiteit van Amsterdam, ernannt. Später lehrte er an dieser Universität neuere und theoretische Geschichte.

Romein kann als undogmatischer, marxistischer Historiker bezeichnet werden. Er hat in seinem umfangreichen wissenschaftlichen Oeuvre den theoretischen Problemen bei der Ausübung der Geschichtswissenschaft, der theoretischen Geschichte, wie er sie nannte, viel Aufmerksamkeit gewidmet. Eine Auswahl von diesbezüglichen Artikeln aus seiner Feder, die zuvor bereits in einigen Sammelbänden veröffentlicht worden waren, erschien 1971 unter dem Titel Historische lijnen en patronen. Een keuze uit de essays (Amsterdam, 1971). Zur theoretischen Geschichte gehören auch historiographische Probleme, über die Romein verschiedene Beiträge veröffentlichte, einer der wichtigsten ist Geschiedenis van de Noord-Nederlandsche geschiedschrijving in de Middeleeuwen. Bijdrage tot de beschavingsgeschiedenis (Haarlem, 1932). Ebenfalls in den Rahmen der theoretischen Geschichte fällt Romeins Wunsch, zu einer integralen Geschichtsschreibung zu kommen, in der die Resultate der auf Spezialistentum ausgerichteten geschichtswissenschaftlichen Forschung synthetisiert werden. Einen Versuch dazu unternahm er in seinem unvollendeten und postum erschienenen Op het breukvlak van twee eeuwen (Amsterdam-Leiden, 1967, 2 Bde.). Für die Historikerausbildung stellte er 1949 das Werk Apparaat voor de studie der geschiedenis (Groningen, 1949, seitdem mehrmals überarbeitet und neu aufgelegt) zusammen.

Das zerschmetterte Bild (Het vergruisde beeld) ist Romeins Rede anlässlich des Antrittes seiner Professur der niederländischen Geschichte an der Gemeentelijke Universiteit van Amsterdam im Jahre 1939.

 

Es sei mir gegönnt, Ihre Aufmerksamkeit auf ein Problem zu lenken, das einigen unter Ihnen wird es bekannt sein seit Jahren mein Interesse geniet und von dem ich aus Erfahrung wei, dass es auch andere, Wissenschaftler meines Faches ebenso wie Liebhaber der Geschichte, interessiert und das in zunehmendem Mae. Ich spreche vom Problem der historischen Objektivität.

Es ist jedoch nicht meine Absicht, seien Sie unbesorgt, dieses Problem hier mit Ihnen theoretisch zu behandeln das habe ich an anderer Stelle getan[1] , ich will es nicht einmal als solches darstellen. Vielmehr wollte ich, anhand eines konkreten Falles aus einem auch Ihnen vertrauten Gebiet der niederländischen Geschichte, mit Ihnen untersuchen, welche geschichtswissenschaftlichen Umstände uns dazu gebracht haben, diese Frage überhaupt als Problem zu betrachten. Dieser konkrete Fall soll Ihnen zeigen, wie diese Umstände uns zu der Schlussfolgerung brachten, dass Objektivität in der Geschichtsschreibung, zumindest in jenem idealisierten Sinne des 19. Jahrhundert, unmöglich ist. Anschlieend möchte ich Ihnen kurz demonstrieren, warum dieses Problem gerade in unserer Zeit so dringend ist und nach einer neuen Lösung verlangt. Zuletzt möchte ich versuchen, die Konsequenzen zu veranschaulichen, die man daraus eventuell ziehen kann.

Doch lassen Sie mich diese Darlegung damit beginnen, Ihnen so kurz wie möglich zu verdeutlichen, dass hier tatsächlich ein Problem vorliegt. Und lassen Sie mich das mit einem sozusagen indirekten Beweis tun. Wenn wir nämlich unter Objektivität in der Geschichtswissenschaft zu verstehen hätten, dass es möglich sei, alle subjektiven Elemente des Geschichtsforschers oder Geschichtsschreibers personen-, zeit- und klassenspezifische Elemente zu eliminieren, so müsste das Ergebnis eine communis opinio, eine allgemein gültige Ansicht, über jedes durchwirkte historische Thema sein, zumindest unter Fachleuten und zumindest annähernd. Und diese communis opinio müsste dann ein deutliches, wahrheitsgetreues und streng genommen ein zeitlich unbegrenzt feststehendes Bild von diesem bestimmten Stück Vergangenheit geben. Ich muss zugeben, dass das nach Meinung einiger im Wesentlichen tatsächlich der Fall ist. Der niederländische Historiker Huizinga zum Beispiel, der sich ja in seinem Werk Cultuurhistorische Verkenningen als erster hierzulande des Bestehens dieses Problems bewusst geworden ist[2], schreibt in Wetenschap der Geschiedenis dennoch: Over een belangrijk deel van het gebied der geschiedenis is in den regel zulk een overeenstemming of consensus (t.w. tussen de wetenschappelijk geschoolde gemeenschap van een gansche cultuur) aanwezig en heerschende. [3]  [Über einen erheblichen Teil der Geschichte herrscht in der Regel ein solcher Einklang oder Konsens, und zwar innerhalb der wissenschaftlich geschulten Gemeinschaft einer ganzen Kultur.]

Nach meiner Überzeugung ist es jedoch fraglich, ob diese Äuerung in genügendem Mae die Fakten, wie sie im Studium der Geschichtsschreibung gelehrt werden, berücksichtigt. Das ist der eine Punkt. Und der zweite ist dieser: Wurde hier wohl tatsächlich genau genug gefragt, worüber denn diese communis opinio besteht, wenn sie schon besteht? Wenn Sie mir einige Übertreibung gestatten, damit ich erläutern kann, was ich meine, dann muss ich sogar sagen: Viel eher ist in gewisser Hinsicht das Gegenteil der Fall. Nämlich die unbewiesene These, dass je mehr wir über eine bestimmte historische Gegebenheit oder eine bestimmte historische Periode erfahren, die Meinungen der Fachleute desto mehr auseinanderdriften, weil das Gebiet, über das Einigkeit besteht, - relativ - zusammenschrumpft. Und auf jeden Fall steht, so denke ich, fest, dass je gröer unser Wissen von einer Sache, desto undeutlicher und unbeständiger unser allgemeines Bild von ihr wird, bis schlielich das Bild selbst in einem Nebel von Auffassungen verschwindet.

Dass dem tatsächlich so ist, will ich Ihnen, wie gesagt, anhand eines konkreten Falles und eines Ihnen vertrauten Stoffes darlegen. Und zwar indem ich Sie mit einer Reihe von Auffassungen über die entscheidende Wende in unserer und zugleich der europäischen Geschichte in Kenntnis setze, der Niederländischen Revolution des 16. Jahrhunderts, die wir, traditionsgetreu, aber soziologisch sehr uneigentlich, unseren Aufstand nennen.

Dass es unter den Zeitzeugen selbst keine Einigkeit über die Ursachen gab, die zu diesen überaus komplexen Ereignissen geführt hatten, wird Sie nicht verwundern. Ich meine nun noch nicht einmal, dass der Spanier die Geschehnisse anders beurteilen musste als der Wallone, der Wallone anders als der Flame und der Flame wieder anders als der Holländer oder der Seeländer. Ebenso wenig meine ich, dass der Königstreue es anders sah, als der Rebell, der Katholik anders als der Kalvinist, der Wiedertäufer wieder anders als der Libertin, denn das ist alles selbstverständlich. Vielmehr geht es darum, dass der Auffassungsunterschied über die Motive, die zum Aufstand geführt hatten, sogar unter den Aufständischen in Holland selbst bestand, je nachdem, ob sie dachten, dass der Aufstand entweder um der Freiheit willen oder um der Religion willen begonnen worden und damit auch zu rechtfertigen war. Mit den Worten haec libertatis ergo oder haec religionis ergo haben sie bekanntermaen diesen Unterschied ihrer Gefühle ausgedrückt[4]. Die Worte zeugen zweifellos von einem sogar grundlegenden Auffassungsunterschied. Aber, und darauf kommt es für uns an, einem Auffassungsunterschied, der die Anhänger beider Richtungen nicht davon abhielt, für sich eine in sich geschlossene Vorstellung von dem Geschehenen zu haben, die für sie zugleich dessen Rechtfertigung bedeutete. Ja vielmehr machte dieser Auffassungsunterschied, der die Einseitigkeit beider Auffassungen hervorhob, die Vorstellung erst in sich geschlossen und die Rechtfertigung erst vollkommen. Und das umso mehr, als beide Vorstellungen doch weiterhin stets in dem Punkt übereinstimmten, dass wohl auch der, der meinte, dass der groe Kampf um der Religion willen ausgetragen wurde, notgedrungen das Freiheitselement aufnehmen musste. Jedenfalls blieb es immer ein Kampf um Religionsfreiheit. Und auch wer umgekehrt Schwert und Feder um der Freiheit willen führte, sah die Freiheit zugleich als Religionsfreiheit. Oder wie es das bekannte Lied Ras seventhien Provincen ausdrückt: Voor Gods Woort ende tLants Rechten / Met een verbonde schilt / Den solt der vromer Lantsknechten / Ghy lieden ontfanghen sult[5].

Beide Vorstellungen, manchmal einander gegenübergestellt, manchmal nebeneinander, haben noch lange bestanden. Wir finden sie nicht nur bei den klassischen Geschichtsschreibern unseres Aufstandes der nachfolgenden Generation, nämlich bei Pieter Corneliszon Hooft und Hugo de Groot. Wir finden sie im Wesen noch solange die sogenannte pragmatische Geschichtsschreibung[6] dominiert, das heit, die groe mit der Kultur verbundene Historiographie, die der Vergangenheit einen Sinn gibt, ihre Lehren aus ihr zieht und im Bann der Lebens- und Weltanschauungen der Geschichtsschreiber steht. Das heit, wir finden sie bis tief ins 19. Jahrhundert, dort, wo die konfessionelle Geschichtsschreibung die Funktion der pragmatischen weiterführt[7].

Wir finden sie sogar bei den fremden Historikern, die, die Bedeutung dieser Ereignisse erkennend, im 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts aus welchen Gründen auch immer von diesem Stoff fasziniert waren. Angesichts meiner bisherigen Ausführungen müsste es eigentlich mein Ziel sein, Ihnen zu zeigen, wie weit die Meinungen über unseren Aufstand unter wissenschaftlichen Historikern heute auseinander gehen. Dennoch will ich Ihnen eine, wenn auch auf Grund der begrenzten Zeit oberflächliche, Begegnung mit den älteren dieser fremden Historiker, die ich meine, nicht vorenthalten. Zum einen benötigen wir sie, um zu erkennen, wie lange dieses freilich gespaltene, aber in dieser Spaltung doch eindeutige Bild weiterbestehen konnte. Andererseits, um zu zeigen, wie auch innerhalb der pragmatischen Geschichtsschreibung die Desintegration dieses Bildes bereits beginnt. Ich nenne Ihnen keine unbekannten Namen: Schiller, Leo, Treitschke und Motley.

Wie Schiller in seiner Geschichte des Abfalls der Niederlande[8] unseren Aufstand sah, ist nicht schwer zu erraten, wenn man seine Gesinnung kennt. Er, dessen erstes und letztes Drama gegen die Tyrannei gerichtet war, musste wohl auch im Abfall der Niederlande jenen Preis sehen, den König Philipp für seinen Despotismus zu bezahlen hatte. Er war gerade mit einem Sammelwerk über Rebellionen und Verschwörungen beschäftigt, als Thomas Wartons Werk über Philipp II. ihn auf diesen Stoff brachte, der ihn monatelang fesseln sollte. Auch die pragmatische Absicht seines Werkes verschweigt er im Vorwort der ersten Auflage nicht. Die erhebenden Empfindungen, die ihm dieses Thema schenkte, erwähnt er dort in einem Atemzug mit seinem Wunsch, diese auch mit anderen zu teilen[9]. Schillers Bild ist in sich geschlossen, erstens weil er nicht unter einem Überma an Quellen litt, es sind nur genau ein Dutzend, wovon Wagenaar, den er in deutscher Übersetzung las, die wichtigste war[10]. Und zweitens weil das Freiheits- und Religionsmotiv für ihn kein Gegensatz war, im Unterschied zu seinen Zeitgenossen und zu damals noch vielen Niederländern. Wohl nennt er irgendwo die groe Glaubensrevolution die vornehmste Quelle des Aufstands[11], doch ihre Grundlage ist für ihn die bürgerliche Freiheit. Nichts ist natürlicher als der Übergang bürgerlicher Freiheit in Gewissensfreiheit[12].

Eine ebenso pragmatische, aber gänzlich abweichende Darstellung geben die zwei anderen Deutschen, die ich soeben erwähnte, Leo und Treitschke. Für Schiller war die Kraft, mit der die Niederländer um ihre Freiheit gekämpft hatten, letztendlich die Quelle jener Hoffnung, dass auch sein Volk diese Kraft einmal aufbringen würde[13]. Für den reaktionären und katholischen Leo sowie den zwar protestantischen, aber konservativen Treitschke hingegen war dasselbe Element ein Stein des Anstoes.

Heinrich Leo, der im zweiten Teil seiner Zwölf Bücher niederländischer Geschichte[14] auch unseren Aufstand behandelt, kann sich dabei keineswegs über erhebende Empfindungen freuen. Im Gegenteil. Er macht aus seiner Abneigung gegen das Unruhestiften von Wilhelm von Oranien keinen Hehl. Er sieht darin und in der Unentschlossenheit der Regierung demgegenüber vielmehr einen Katalysator für die Ereignisse. Auerordentliche Konzessionen kommen von Seiten des Königs, der sich nicht selbst schon von dem Standpunkte eines treuen Unterthans ganz entfernt hatte[15]. Aber diese, seufzt er, sind in unserer verdorbenen Zeit nur noch selten. Auch für Leo, genauso wie für Schiller, ist die Niederländische Revolution des 16. Jahrhunderts ein Ereignis von grötem Gewicht, das Vorspiel, kann man sagen, zur Französischen Revolution des 18. Jahrhunderts. Doch gerade darum beurteilt er sie so negativ, wie Schiller sie positiv beurteilt hat. Die Folgen seien ein ungestilltes krankhaftes Verlangen nach Revolutionen gewesen, und er verwendet in diesem Zusammenhang ein hässliches Wort, das ich hier nicht wiederholen will[16].

In gleichem Mae nuancierter, als er ein gröerer Historiker als Schiller und Leo war, ist das Bild, das Heinrich von Treitschke von unserem Aufstand in seinem Die Republik der vereinigten Niederlande[17] zeichnet. Bei Treitschke, der seine Darstellung übrigens bereits zu Beginn der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts schrieb, hören wir zum ersten Mal Töne, die an moderne Ansichten erinnern. Eine gewisse Gröe ist seinem Umgang mit dem Stoff nicht abzustreiten, sowie das bei ihm übrigens immer ist. Die Worte aus dem rekwest der edelen la différence de lun temps à lautre, sind gleichsam sein Ausgangspunkt[18]. Diesen Zeitunterschied nennt er die wichtigste Ursache. Im Aufstand sieht er das Ergebnis einer Übergangsperiode zwischen dem Klassenkampf des Mittelalters und den modernen Revolutionen. Die Klassenkämpfe auf der einen Seite, die positiv rechtliche Fragen zur Not mit Waffengewalt lösten. Auf der anderen Seite die modernen Revolutionen, die ein angeborenes Recht aller Völker fordern  und dieses durch eine weltbürgerliche Propaganda verbreiten wollen[19]. Und noch einen Aspekt, den ich nicht unerwähnt lassen will, gewahrt er als nationalistischer Deutscher. Man darf, so sagt er, den Aufstand in den Niederlanden mit Recht als höchsten Triumph des deutschen Partikularismus betrachten[20]. Und dennoch, es passt uns nicht, den groen Wilhelm von Oranien, der ja ursprünglich Deutscher war, anzuklagen. Indem er sich vom Reich trennte, kämpfte er für uns Deutsche, denn er befreite eine herrliche Welt germanischen Lebens von diesem bleiernen Schlummer, der auf dem spanischen Italien ruhte. Und er schwächte die Macht der Habsburger so stark, dass diese nicht mehr gewinnen konnten, als die Stunde der Entscheidung auch für das eigentliche Deutschland schlug[21]. Man fühlt schon, dass für die Freiheit, wie man sie damals aufgefasst hat, in dieser abstrahierenden Betrachtungsweise kein Platz mehr ist. Treitschke kann diesem Freiheitsgedanken nichts abgewinnen. Wenn man in groen Worten von der Freiheit sprach, sagt er, dachte man dabei vorerst an nichts anderes, als an das, was der deutsche Buchhändler meinte, wenn er auf sein Titelblatt mit Kaiserlicher Majestät allergnädigsten Freiheit[22] druckte. Das heit, er dachte an Privilegien. Konservativ und national verteidigte man das einheimische Recht gegen fremde Gewalt und das historische eigenständige Leben der Regionen gegen die monarchistische Zentralisierung22. Hier bei Treitschke, nicht wahr, Sie erkennen es, war das Bild schon so differenziert, dass es nicht länger Vor-Bild sein konnte. Es hat an historischer Wahrheit gewonnen, was es an klassischer Einfachheit eingebüt hat.

Diese Differenzierung liegt nicht nur an Treitschkes historischem Bewusstsein. Zwischen der Veröffentlichung von Leos Werk im Jahr 1835 und dem von Treitschke 1869, kam 1856 Motleys Rise of the Dutch Republic[23] heraus. Wir glauben, dem Amerikaner nicht Unrecht zu tun, wenn wir auch sein Buch noch der pragmatischen Geschichtsschreibung zurechnen, solange wir dabei anerkennen, dass es zugleich bereits deutliche Züge der genetischen Geschichtsschreibung aufweist, die, wie der Name schon sagt, Entstehungsgeschichte, das heit erklärende Geschichte, sein will[24]. Ja, der beispiellose Erfolg dieses Werkes im Erscheinungsjahr wurden nicht weniger als 15.000 Exemplare verkauft[25] ist möglicherweise unter anderem auch dieser Kombination von pragmatischer und genetischer Geschichtsschreibung zu verdanken. Ein noch entscheidenderer Grund dürfte wohl der liberale Grundgedanke sein, der in selten übertroffenem Stil das ganze Buch von mehr als 1500 Seiten durchgehalten wird. Motley mag ja durchaus fünf Jahre lang die wichtigsten europäischen Bibliotheken und Archive durchstöbert haben, teilweise freilich nachdem sein Werk geschrieben war. Sein Bild kennt aber nur drei Farben: das Schwarz des tyrannischen Fanatismus, das Wei des bürgerlichen Freiheitsdrangs und das Rot des Blutes der Märtyrer, die ihr Leben im Kampf zwischen Wei und Schwarz lieen. Er sieht den Aufstand als Bürger des jungen Amerikas und er macht daraus keinen Hehl. De burger van het jonge Amerika zal kunnen oordelen of de onderdrukking, die zijne voorouders, de Puriteinen, van een Laud en een Karel te lijden hadden, de wreedste dwingelandij was, die een volk ooit heeft ondergaan, en of de Republiek der Vereenigde Nederlanden niet denzelfden hoogen godsdienstigen oorsprong heeft als zijn eigen gemeenebest, [26]  [Der Bürger des jungen Amerikas wird beurteilen können, ob die Unterdrückung, die seine Vorfahren, die Puritaner, unter einem Laud und einem Karl erleiden mussten, die grausamste Tyrannei war, die jemals ein Volk erdulden musste, und ob die Republik der Vereinigten Niederlande nicht denselben hohen religiösen Ursprung wie Amerika hat], so lautet eine Passage von Bakhuizens Übersetzung. Und an anderer Stelle mit noch nachdrücklicherer Einseitigkeit: De groote oorzaak van den Opstand [...] was de inquisitie. Het is schier kinderachtig nog verder te willen zoeken, als zulk een oorzaak voor de hand ligt [27]. [Die groe Ursache des Aufstandes [...] war die Inquisition. Es ist geradezu kindisch, noch weiter suchen zu wollen, wenn eine solche Ursache auf der Hand liegt.]

Berücksichtigt man, dass die kurze uns zugemessene Zeit uns zwingt, den Kontrast der hier wiedergegebenen Auffassungen um der Deutlichkeit willen zu verstärken, so dürfen wir sagen, dass die Niederländer des 19. Jahrhunderts, zu denen wir nun kommen, das Bild erstmals so richtig kompliziert haben. Und zwar aus zwei Gründen. Der erste ist ihr gröeres Sachwissen. Ich erinnere hier an die zahlreichen Quellenwerke von Gachard, Groen und Bakhuizen, die mit der Zeit so stark anschwellen sollten, dass bereits vor mehr als hundert Jahren Corvin-Wiersbitzky in seinem Buch über unseren Aufstand darüber klagt[28], und es daher nicht verwundert, dass Moritz Ritter 25 Jahre später in einem Aufsatz diese Klage noch verschärft[29]. Er seufzt, dass es in der Geschichte des 16. Jahrhunderts keine Periode gibt, zu der die Quellen so zahlreich sind, wie zu dieser eine Folge der Verwissenschaftlichung der Geschichtsschreibung, die hierzulande ihre Anfänge im zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts findet. Der zweite Grund, dass das Bild nun komplizierter wird, ist, dass die Niederländer des 19. Jahrhunderts als Bürger des verkleinerten Königreichs der Niederlande nach 1830 neben das Freiheits- und Religionsmotiv das nationale stellen.

So tun es Groen, Bakhuizen und Fruin. Wenn Groen in seinem Handboek der Geschiedenis van het Vaderland die wichtigsten Ursachen des Aufstandes aufzählt, schickt er seine Abneigung gegenüber der Fremdherrschaft voraus. De naijver van de Nederlanders op de Spanjaarden ontbrandt in heftig misnoegen over de schier uitsluitende voorkeur door den bij uitstek Spaansch gezinden vorst aan eigen volksgenoten [...] verleend [30]. [Der Neid der Niederländer auf die Spanier entzündete sich durch den groen Unmut darüber, dass der Fürst, spanisch gesinnt wie kein anderer, seine Landsleute schier ausnahmslos bevormundete.] Erst danach folgt bei ihm das Motiv vom Behalt oder der Ausweitung der Freiheiten des Landes. Und Groen schloss sich dem alten Kluit an, als er diesbezüglich schrieb: Verbreking der privilegiën was dikwerf meer kreet en leus, dan wezenlijk en algemeen bezwaar[31]. [Der Aufschrei über das Aufbrechen der Privilegien war oftmals mehr eine Parole, als dass er wirklich ein wesentliches und allgemeines Bedenken dargestellt hätte.] So auch Bakhuizen van den Brink. In der Einleitung zu seiner Übersetzung von Motley schrieb er, ausdrücklich gegen dessen germanisch-keltische Antithese gerichtet: Zonder het denkbeeld van die staatkundige eenheid der Nederlanden (aanschouwelijk gemaakt in de geografische figuur van het land als Leo Belgicus) had nimmer onze opstand tegen Spanje de rigting genomen, welke zij insloeg, noch de gevolgen gehad, welke zelfs in de republiek der zeven provinciën hebben voortgeduurd[32]. [Ohne die Vorstellung der politischen Einheit der Niederlande (veranschaulicht durch die geografische Gestalt des Landes als Leo Belgicus) hätte unser Aufstand gegen Spanien niemals diese Richtung eingeschlagen, noch hätte er jene Folgen gehabt, die selbst in der Republik der sieben Provinzen andauerten.]

An anderer Stelle wiederum schreibt er, was man eher bei Groen erwartet hätte: Wij kunnen als de hoofdoorzaak van de afval der Nederlanden geene andere dan de Hervorming en de door deze opgewekte zucht naar gewetensvrijheid opgeven [Als Hauptgrund für den Abfall der Niederlande können wir nichts anderes als die Reformation und die hervorgerufene Sucht nach Gewissensfreiheit angeben]33. Dieses Zaudern und die ganze Abhandlung übrigens, aus der dieses Zitat stammt, ist in ihrer gelehrten Verworrenheit sie ist nicht zufällig Torso geblieben für unser Thema äuerst interessant. Man sieht hier gleichsam das Licht von Bakhuizens Urteil hinter den Bergen von Material, die er selbst angehäuft hatte, untergehen.

Expressis verbis stellt Robert Fruin, der Gromeister unserer Historiografie, das nationale Motiv voran. In seinem berühmten Voorspel schreibt er: Overal elders heeft de regeering bij hare staatshervorming (het scheppen van den modernen eenheidsstaat uit den afgeleefden middeleeuwschen leenstaat) tegenstand ontmoet [] maar overal heeft zij bij een deel des volks steun en bijstand gevonden. Alleen in Nederland niet. Daar verenigden zich adel en geestelijkheid en burgerij tegen de regeering. Natuurlijk, immers de regeering was vreemd, anti-nationaal [Überall anders ist die Regierung bei ihrer Staatsreform (die Schaffung eines modernen Einheitsstaats aus dem veralteten mittelalterlichen Lehenstaat) auf Widerstand gestoen [] aber überall hat sie bei einem Teil des Volkes Unterstützung und Beistand gefunden. Nur in den Niederlanden nicht. Da schlossen sich Adel, Geistlichkeit und Bürgertum gegen die Regierung zusammen. Natürlich, war die Regierung doch fremd, anti-national.] Die Bestrebungen der Regierung, die Glaubensverfolgung, der zehnte Pfennig, dies alles schliet er sogar ausdrücklich als Ursachen für den Aufstand aus. Nationaler Widerstand ist für ihn der Kern. Ziedaar het oogpunt [Hiermit haben wir den Blickwinkel], schlussfolgert er, waaruit wij, als ik mij niet bedrieg, den strijd tegen Spanje beschouwen moeten [von welchem aus wir, falls ich mich nicht irre, den Kampf gegen Spanien betrachten müssen]34. Aber genau dieser Versuch, eine neue Sichtweise zu finden, hat das allgemeine Bild noch weiter desintegriert. Als überzeugter Anhänger des modernen liberalen Einheitsstaates, dessen Untertan er war, hat Fruin in dieser Hinsicht einen Blick für Philipps Verdienste35 und daher gleichzeitig Verständnis für den konservativen Charakter des Aufstandes. Die Ablehnung Philipps bezog sich nur darauf, dass dieser für die Niederlande wollte, was für Spanien gut war; die Rechtfertigung des Aufstandes lag im Ganzen freilich aber dann doch nur darin, dass der Widerstand Spanien galt. Ist bei Fruin selbst die Vorstellung vom Aufstand, wenn auch nuanciert und leicht verschoben36, doch noch geschlossen, im Allgemeinen war sie es zu seiner Zeit schon nicht mehr. Denn neben das nationale Bild Fruins kam das radikale von Van Vloten37, das katholische von Nuyens38 und das von Rankes Ideologie beeinflusste von Brill39 zu stehen.

Mit Fruin haben wir uns der modernen Zeit genähert. Mit ihm und zugleich durch ihn begann in den Niederlanden die Blütezeit der wissenschaftlichen Historiographie. Wenn überhaupt jemals, dann müssten wir nun die overeenstemming tusschen de wetenschappelijk geschoolde gemeenschap van een gansche cultuur aanwezig en heerschende [diese Übereinstimmung zwischen der wissenschaftlich geschulten Gemeinschaft einer ganzen anwesenden und herrschenden Kultur] sehen, die Huizinga erwähnte. Aber ist dem so? Nein, dem ist nicht so. Wir sehen viel eher die ursprünglich duale Vorstellung eines Kampfes um bürgerliche und religiöse Freiheit auf nationaler Basis, in der Mitte des 19. Jahrhunderts scheinbar für alle Zeit gefestigt, in eine breit gefächerte Vielfalt von festgefahrenen Meinungen ausufern, beinahe so viele, ich übertreibe kaum, wie es Forscher gibt. Dies gilt sowohl für die Ausländer, die sich immer wieder von diesem Stoff angezogen fühlten, als auch für unsere Landsleute. Dies gilt, um uns auf die Wichtigsten zu beschränken, für die Belgier Paillard und Pirenne, für die Deutschen Rachfahl und Ernst Marx und für den Russen Pakulj, über den ich Ihnen sogleich mehr erzählen werde, aber auch für diejenigen unter unseren Historikern dieses Jahrhunderts, die sich mehr als oberflächlich mit dem Aufstand beschäftigt haben, nämlich Geyl und Van Gelder, Kuiper und De Pater und Van Schelven.

Über jeden von diesen einige Worte. Mehr verbietet die Zeit, aber ich vertraue darauf, dass es genug sein wird, um einen Beweis für meine Behauptung zu liefern, nämlich dass sich die Meinungen der Sachkundigen mit zunehmendem Sachwissen auf einem um so viel gröeren Gebiet immer mehr differenzierten. Und nicht nur das. Die Polemiken, die beinahe alle diese Autoren verbinden, beweisen, dass sie sich des Fehlens von Konsens auch vollkommen bewusst sind. Inzwischen, das muss man zugeben, geht es dabei häufig nicht mehr um ein autaut, sondern um ein Mehr-oder-weniger, um die Akzentuierung, die dann aber doch so unterschiedlich ist, dass wir lieber nicht von Übereinstimmung sprechen sollten, wollen wir die Fakten nicht zwingen. Denn in der nuancierten Auffassung entscheidet immer der Akzent.

Charles Paillard ist vielleicht derjenige, der 1874 zum ersten Mal einen geschärften Blick, wenn auch noch nicht für den ökonomischen, dann doch für den finanziellen Aspekt des Aufstandes hat und damit der Diskussion gleichsam eine neue Dimension hinzufügt40. Wie unsicher dieses neue Licht aber noch flackerte, beweisen Thema und Titel seines zwei Jahre später erschienenen Hauptwerks Histoire des troubles religieux de Valenciennes. Dieses letzgenannte Buch ist ein typisches Beispiel einer bereits weit gediehenen Spezialisierung, da die vier erschienenen Bände die im Jahre 1560 begonnene Geschichte nur bis 1565 behandeln, und das ursprüngliche Ziel, sie bis 1567 weiterzuverfolgen, dabei untergegangen ist.

Pirenne sieht in seiner Histoire de Belgique den Hauptwiderspruch als einen zwischen État espagnol [spanischem Staat] und état bourguignon [burgundischem Staat], beaucoup plus nationale que religieuse [viel mehr national als religiös]41, später durch einen aggressiven Kalvinismus erweitert und verschärft zu einem politisch-religiösen Konflikt. Philipp und Wilhelm von Oranien sind bei ihm nur die respektiven Exponenten dieser kollektiven Kräfte. In der Auffassung Felix Rachfahls dagegen, sowohl in seinem Wilhelm von Oranien und der niederländische Aufstand als auch, deutlicher noch, in der knappen Monographie über Margaretha von Parma, kann man mit dem Begriff état bourguignon in diesem Zusammenhang nichts anfangen, da er den Widerstand des hohen Adels unter der Leitung Wilhelm von Oraniens als einen im Grunde feudalen sieht, das heit auch gegen den burgundischen, genauso wie den spanischen, modernen Einheitsstaat gerichtet42. Auch der religiöse Konflikt sieht bei Rachfahl anders aus als bei Pirenne. Nicht in einer späteren Phase, sondern von Beginn an gärt er, und er wird bei ihm auch nicht durch die Aggression des Kalvinismus verursacht, sondern gerade durch den Absolutismus des katholischen Systems43. Aber diese Auffassung ist für sein groes Werk über Wilhelm von Oranien kaum mehr richtungsweisend zu nennen. Mit der Verwissenschaftlichung der Geschichtsschreibung ist das Bedürfnis nach einem scharfen Bild zugleich mit diesem Bild selbst verschwommen. Bei Ernst Marx, dessen Studien zur Geschichte des niederländischen Aufstandes aus einer quellenkritischen Untersuchung des Hauptteiles von Recueil et mémorial des troubles des Pays-Bas du Roy44 des friesischen Rechtsgelehrten Hopperus hervorgegangen sind, wurde das Pragmatische bereits derart überwunden, dass es kaum noch möglich ist, aus diesen beinahe 500 dichtbedruckten Seiten so etwas wie eine Auffassung zu konstruieren.

Die letzte Betrachtung von einem Ausländer, die für unser Thema von Bedeutung ist, ist die des Russen N. M. Pakulj45. In seinem Werk Nederlandse Revolutie in de 16e eeuw aus 1931 liegt, so wie man es auch von einer historisch-materialistischen Betrachtung über den Aufstand erwarten würde, der Akzent auf der Rolle der jungen Handelsbourgeoisie in der früh-kapitalistischen Phase. Als Resultat dieser niederländischen Revolution sieht Pakulj vor allem die groen ökonomischen und politischen Erfolge der Vereinigten Provinzen, erkämpft mithilfe aber gleichzeitig zum Schaden von einerseits dem feudalen Adel, andererseits den Volksmassen, den beiden sozialen Gruppen, die jeweils nur kurze Zeit aktiv und sozusagen in eigener Sache am Kampf teilgenommen haben46. Den relativ geringen Tiefgang des sozialen Kampfes in dieser Revolution, im Gegensatz zur englischen im 17. und zur französischen im 18. Jahrhundert, erklärt Pakulj daraus, dass die Geusen-Revolution hauptsächlich gegen ausländische Vorherrschaft und für nationale Unabhängigkeit kämpfen musste, was das öffentliche Aufbrechen der Klassengegensätze verhinderte47. Der historische Materialismus scheint gerade als wissenschaftliche Methode ebenso wenig aufklärend zu wirken. Der Anschein des Gegenteils wird nicht durch die Methode verursacht, sondern durch die Tatsache, dass sie oft mit pragmatischen Absichten und in Verbindung damit oft von Nicht-Sachkundigen gehandhabt wird.

Die weitreichende Differenzierung des Bildes vom Aufstand eine Folge der Berücksichtigung der sozialen Gliederung der damaligen Gesellschaft kommt inzwischen auch bei Historikern anderer Überzeugung vor. In den Niederlanden hat sich Dr. Enno van Gelder in dieser Hinsicht verdient gemacht. Das Thema hat ihn wiederholt beschäftigt. Sowohl in seiner Detailstudie De Nederlandse Adel en de Opstand tegen Spanje48 der Widerlegung von Bakhuizens geringschätzigem Urteil über diesen Stand als auch in zwei allgemeineren Betrachtungen, letztere über De oorzaken der scheiding van de Noordelijke en de Zuidelijke Nederlanden49, erstere Een historiese Vergelijking50 genannt, worin eine Parallele zwischen dem Geusen- und dem Hugenottenkrieg gezogen wird, die für sich selbst genommen bereits verrät, wo bei Van Gelder der Akzent liegt. Nicht als einen nationalen, sondern als einen religiös-politischen Bürgerkrieg sieht er die ersten 15 Jahre des Aufstandes; nicht Länder und Gebiete, sondern Parteien sind die Gegner. Bij ons overwon de oude, halfmiddeleeuwse staatsvorm, maar daarmede het Calvinisme en de moderne verdraagzaamheid en vrijheid van geloof [Bei uns siegte die alte, halb-mittelalterliche Staatsform, aber damit der Kalvinismus und die moderne Toleranz und Glaubensfreiheit]51. Wie viel über diese dialektisch anmutende Lösung des Problems auch zu sagen sein mag, man wird zugeben müssen, dass auch sie in ihrer vollkommen unpragmatischen Allüre wenig aufklärend scheint. Unser Wissen ist nach der Lektüre von Van Gelder reicher geworden, sehen können wir danach nicht mehr, eher weniger als zuvor.

Einen neuen Akzent und sogar ein neues Element führte Geyl in seiner Geschiedenis van de Nederlandsche Stam ein. Zwar überwiegt bei ihm, so wie in der alten Schule Fruins und in gewissem Sinne auch Pirennes, das Nationale, aber wie anders liegt dies bei ihm wieder in der Gesamtheit der Geschehnisse eingebettet! Bei Geyl leitet wieder ein Gedanke, er leidet dort zugleich - mit einem d. Geyls niederländische Einheit ist nicht Pirennes état bourguignon. Sie ist der Traum von Wilhelm von Oranien, der ein Traum bleibt, in letzter Instanz wegen geografisch-militärischer Faktoren. Hinter den groen Flüssen lag Holland-Seeland wie eine natürliche Festung. Dadurch konnte hier der Kalvinismus bleibend Wurzeln schlagen. Dadurch konnte es Parmas Gewalt und List widerstehen, aber der niederländische Stamm war dadurch religiös und politisch zerrissen52. Der Aufstand hat hier nicht so wie bei Fruin auch seine Schattenseiten53; viel eher überwiegen sie beinahe gegenüber dem Licht, was zuvor nur bei katholischen Geschichtsschreibern der Fall gewesen war.

Inmitten all dieser neuen Pflänzchen blieb der alte Stamm der kalvinistischen Tradition stehen und setzte neue Triebe an, und zwar so zahlreich, dass Dr. Kuiper (gemeint ist E. T. und nicht Abraham) meinte, hier die Hippe ansetzen zu müssen. In seinem Aufsatz  Het Kalvinisme en onze Opstand tegen Filips II wollte er beweisen, dat men nu gaandeweg zover is gekomen, dat men de rol van het Kalvinisme in de aanvang van ons verzet tegen Spanje is gaan overschatten [dass man nun allmählich so weit gekommen ist, die Rolle des Kalvinismus am Anfang unseres Widerstandes gegen Spanien zu überschätzen]54. Dr. de Pater dagegen trat dennoch wieder für das haec religionis causa in seinem vollen Umfang ein. In einer Lesung, offenkundig gegen Geyls Auffassung der Nation als Stammes- und Sprachgemeinschaft gerichtet, nahm er die Religion als nationsbildenden Faktor an. Auch hier gibt es, man muss es zugeben, wieder einen leitenden Gedanken und als dessen Folge wieder ein Bild, homogener noch als die alte Auffassung. Während diese nämlich neben dem Kampf für die Religion gewöhnlich einen für die Freiheit anerkannt hatte, sind es in De Paters Auffassung die Libertiner selbst, die aus Staatsräson dem Kalvinismus im Norden zur Alleinherrschaft verholfen haben55.

Noch eine Figur bleibt uns, die des Dr. Van Schelven. Ihn haben wir bis zuletzt aufgehoben, da uns sein Buch über Willem van Oranje56 den treffendsten Beweis für unsere These zu liefern scheint, dass die Verwissenschaftlichung der Geschichtsschreibung zur Desintegration des Geschichtsbildes und damit zu seinem Untergang als allgemeines Kulturgut geführt hat. Een boek ter gedachtenis van idealen en teleurstellingen [Ein Buch zum Gedenken an Ideale und Enttäuschungen] lautet der Untertitel. Er bezieht sich auf das Leben des Prinzen, aber man kann ihn auch auf die Ideale der wissenschaftlichen Geschichtsforschung und die Enttäuschungen, zu denen diese führen mussten, anwenden. Hier werden alle Fragen, mit denen wir uns beschäftigt haben, gestellt und nach reiflicher Erwägung beurteilt. Man muss es Ehre wem Ehre gebührt Van Schelven zugute halten, dass er sich nicht durch seinen Auftrag, ein durchaus offizielles Gedenkbuch zu schreiben, vom schmalen Pfad der Wissenschaft hat ableiten lassen. Aber mit der Phantasie verbannte er auch die Verbildlichung. Ein Bild, eine Gestalt, im Stande, selbst wieder Gestalten zu formen, so wie das ein Alexander oder die Helden aus der römischen Geschichte zum Beispiel über so viele Generationen getan haben? Man suche dieses Ideal dort nicht, denn man würde dort nur Enttäuschung finden.

So ist dann das einfache Voor Gods Woort ende tLants Rechten aus dem Geusenlied57  durch den unumkehrbaren Prozess der Entwicklung unserer Wissenschaft in seine Einzelteile zerfallen, so wie der Lichtstrahl in einem Prisma zu einem Farbenspektrum auseinander fällt. Aber Licht, geschweige denn Wärme, gibt er so nicht mehr. Die communis opinio, die Huizinga erwähnte, existiert. Aber: Sie scheint stets auerhalb des Akzents zu stehen, das heit gerade auerhalb des für jeden Forscher Wertvollen. Und sie existiert, weil das Bild, das die Auffassungen scharf trennte, nicht mehr existiert. Sie blüht lieblich aber bescheiden auf der Ruine des zerschmetterten Bildes.

Zu Beginn meiner Rede habe ich Ihnen versprochen, Ihnen nach meiner Erläuterung kurz zu demonstrieren, warum das Problem der historischen Objektivität gerade nun auf eine neue Lösung dringt und zu welchen Konsequenzen dies meines Erachtens führen musste. Dieses Versprechen will ich halten. Unsere Zeit ist eine Übergangszeit. Wir wissen, ganz global, woher wir kommen. Wir wissen nicht, wohin wir gehen. Diese Unsicherheit schafft mehr denn je das Bedürfnis nach Verankerung in der Vergangenheit, will unser Kulturverständnis nicht in der Verworrenheit der Gegenwart untergehen. Kenntnis der Geschichte nach Art der Wissenschaft dient dem nicht, da wir soeben sahen, dass gerade diese Kenntnis das Bild, das alleinig Halt gibt, zerschmettert hat. Streben nach Objektivität dient dem nicht, da wir soeben sahen, dass unser Objektivitätsbegriff so relativistisch und elastisch geworden ist, dass er nur noch bei genauer Kontrolle von Subjektivität zu unterscheiden ist58. Es ist kein Zufall, dass wir in Diktaturen Versuche erkennen, das Geschichtsbild auf Kosten der doch, so sagt man, schemenhaften Objektivität wiederherzustellen. Man kann es in Deutschland genauso wahrnehmen wie in Russland. Die Wiederherstellung des Geschichtsbildes folgt dem Weg der Verleugnung der historischen Wissenschaft. Diesen Weg können wir verwerfen, das Bedürfnis jedoch, aus dem heraus er eingeschlagen wurde, ist legitim und auch das unsere. Katastrophen sind weniger bedrohlich, wenn wir auch nur meinen zu wissen, wo sie herkommen. Jene Katastrophen kommen aus der Vergangenheit. Dem Bedürfnis, sie in ihrer Totalität zu kennen, wird die spezialisierte Geschichtswissenschaft nicht gerecht und kann sie niemals gerecht werden. Welchen Weg müssen wir daher einschlagen? Die groe Frage, ob das derzeitige Chaos vielleicht nur als Geburtswehen einer ausgeglicheneren Gesellschaftsform erscheinen wird, aus deren Gleichgewicht dann wie von selbst ein neues, damit übereinstimmendes Geschichtsbild ersteht, diese Frage kann ich hier nicht behandeln. Aber doch die andere, kleinere, aber darum nicht unwichtige: Welche Kräfte gibt es in der Wissenschaft selbst zur Genesung der Krankheit, wenn ich es so nennen darf, die sie selbst verursacht hat? Es gibt sie, meine ich, so wie auch die Krankheiten des Körpers oft selbst die Kräfte zur Heilung wecken. Wir können nicht zurück bis hinter die Errungenschaften unserer Wissenschaft, weil wir es nicht wollen. Und wir wollen es nicht, weil wir wissen, dass es auf die Dauer unmöglich ist, so wie es unmöglich ist, Textilfabriken wieder durch Spinnräder und Handwebstühle zu ersetzen. Wir können nach der genetischen Geschichtsschreibung nicht zur pragmatischen zurück. Wir können nicht zurück zu Schillers Methode, die diesen Namen kaum verdient. Aber zu seinem Programm? Eigentlich sollten Kirchengeschichte, Geschichte der Philosophie, Geschichte der Kunst, der Sitten und Geschichte des Handels mit der politischen in eins zusammengefasst werden, und dieses erst kann Universalhistorie sein, hat er einmal, prophetisch würde ich es nennen wollen, gesagt59. Dieses Programm aus dem 18. Jahrhundert bedeutet den prinzipiellen Sieg über den Spezialismus des 19. Jahrhunderts und damit die Möglichkeit zur Wiederherstellung des Geschichtsbildes auf wissenschaftlicher Basis.

Wie soll man es also ausführen? Ich sehe nur einen Weg, der zu jener integralen Geschichtsschreibung führt: So wie die ehemalige synthetische Historiografie zu einer analytischen geführt hat, zwingt die Analyse ihrerseits zur Synthese, aber nun auf einer höheren Stufe: das heit, die Nachteile der Spezialisierung können nur besiegt werden, indem man das Allgemeine zum Gegenstand der speziellen Studie macht, und das bedeutet in erster Linie: durch das Klarmachen der betreffenden Probleme. Will man für dieses neue Fach ein neues Wort: Man nenne es theoretische Geschichte60. Was dies unter anderem erreichen kann ich meine, es bereits im Verlauf meines Vortrags durch die ganze verwirrende Vielzahl, die ich erwähnen musste, gezeigt zu haben ist zurückzuführen auf das Begriffspaar: das Geschichtsbild und seine Desintegration. Einfach wird auch dieses Fach sicher nicht sein, aber vielleicht dankbar, und das ist schon viel. Mehr jedenfalls kann, so meine ich, ehrliche Wissenschaft vorläufig nicht bieten. Algemene regels en methoden van onderzoek te vinden is de kunst, ze toe te passen op alle mogelijke onderwerpen is slechts een zaak van geduld en vlijt [Allgemeine Regeln und Methoden der Forschung zu finden, ist die Kunst, sie anzuwenden auf alle möglichen Themen, ist nur eine Sache von Geduld und Flei]61. Mit diesen Worten des gröten niederländischen Historikers, mit diesen Worten Fruins, möchte ich diese Ausführung abschliee

 
[1] Siehe hierzu Zekerheid en onzekerheid in de Geschiedwetenschap. Het probleem der historische Objectiviteit in: In Opdracht van de Tijd (Amsterdam, 1946) 12-43.

[2] J. Huizinga, Cultuurhistorische Verkenningen (Haarlem, 1929).

[3] J. Huizinga, De Wetenschap der Geschiedenis (Haarlem, 1937) 129. In einem Brief, den mir Huizinga nach dieser Rede schrieb, erklärt er, dass er mit dieser Aussage nur den materiellen und chronologischen Rahmen der Geschichte, d. h. den Stoff und die Reihenfolge der Ereignisse im Auge hatte, jedoch ansonsten mit den vorangegangenen Standpunkten beinahe völlig eins sei.

[4] G. Brandt, Historie der Reformatie (4 Bde.; Amsterdam, 1641-1704) I, 553 (11. Buch) erzählt von jenem Konflikt, dessen Anlass der Spruch auf dem Notgeld war, das während der Belagerung von Leiden ausgegeben wurde. Daraus geht hervor, wie heftig dieser Streit war: Een der predikanten voer deser tijdt op den predikstoel overt papiere gelt soo hevig uit, dat seker Amptenaer der stadt, een man van strenge inborst sittende nevens den Burgemeester van der Werf int Heeren gestoelte, een geladen pistool uit den sak trok seggende tot sijn bijsitter, Wil ik er hem aflichten? meenende van den predikstoel; t geen de Burgemeester wijselk afried en stuitte. [Ein Prediger lie sich damals so scharf über das Papiergeld aus, dass ein gewisser Stadtbeamter, ein Mann von strengem Charakter, der neben dem Bürgermeister Van der Werf auf der Regierungsbank in der Kirche sa, eine geladene Pistole aus seiner Tasche zog und den neben ihm sitzenden fragte, ob er den Prediger erschieen solle. Davon hat ihm dieser klugerweise abgeraten und ihn zurückgehalten.] Jener gewisse Stadtbeamte war kein geringerer als der berühmte Stadtsekretär Jan van Hout.

[5] H. J. van Lummel, Nieuw Geuzenlied-Boek, (Utrecht, [1871]) Nr. LIII. E. T. Kuiper, Het Geuzenliedboek (2 Bde.; Zutphen, 1924, 1925) I, 122. Vgl. bezüglich der Motive für den Aufstand, wie sie die niederländischen Aufständischen selbst erfahren haben: A. C. J. de Vrankrijker, De Motiveering van onzen Opstand. De Theorieën van het verzet der Nederlandsche Opstandelingen tegen Spanje in de jaren 1565-1581 (Diss. Amsterdam GU; Nijmegen, 1933).

[6] Die Einteilung in referierende, pragmatische und genetische Geschichtsschreibung stammt von Ernst Bernheim, Lehrbuch der historischen Methode und der Geschichtsphilosophie, 1889. Sie ist nur brauchbar, wenn man sie als begriffliche, nicht aber als chronologische Einteilung sieht. Vgl. J. Huizinga, De Wetenschap der Geschiedenis, 108. W. Bauer hat dem eine soziologische Geschichtsschreibung hinzugefügt. Siehe seine Einführung in das Studium der Geschichte (Thübingen, 1921) 149-151.

[7] Nebeneinander findet man das haec libertatis und das haec religionis ergo im 17. Jahrhundert zum Beispiel bei Hugo de Groot: De rechte oorsaak waarom de wapenen zijn aangenomen, is gheweest de conservatie van een vrije Nederlandtsche Regeeringe [...] ende daer benevens vrijheijdt van conscientie.  [Der wahre Grund, warum man zu den Waffen griff, war der Erhalt einer freien niederländischen Regierung, und dadurch der Gewissensfreiheit.] Im 19. Jahrhundert findet man es zum Beispiel bei A. F. de Savornin Lohman, der in seinem Gezag en Vrijheid (Utrecht, 1875) IX zustimmend De Laveleye zitiert, der in Revue des deux Mondes (1874, 15 août) gesagt hatte: Les Neerlandais [sic!], comme les Anglais, dans toutes leurs révolutions invoquaient non le droit naturel, mais le droit historique; ce nest pas à la raison, cest à lhistoire quils demandaient les titres de leur indépendance. Grâce à lhéroisme [sic!] que leur inspirait la foi réformée, ils parvinrent à défendre leurs libertés et à conquérir leur indépendance sur lEspagne. Les causes de leur prospérité se résument en un mot liberté [...] Lesprit qui fit naître leurs institutions politiques, cest lamour de la liberté, la résolution de braver la mort pour la conserver, un bon sens froid, une grande sagesse et un profond sentiment religieux. [Sowie das auch die Briten in all ihren Revolutionen taten, beriefen sich die Niederänder nicht auf das Naturrecht, sondern auf das historische Recht. Sie begründeten ihren Anspruch auf Unabhängigkeit nicht mit der Vernunft, sondern mit der Geschichte. Dank des Heldenmutes, den ihnen ihr reformierter Glaube eingab, gelang es ihnen, ihre Freiheiten zu verteidigen und ihre Unabhängigkeit von Spanien zu erreichen. Die Gründe für ihren wirtschaftlichen Aufschwung lassen sich in einem Wort zusammenfassen Freiheit [...]  Die Liebe zur Freiheit, die Entscheidung, dem Tod ins Auge zu sehen, um sie zu behalten, ein kühler Kopf, viel Klugheit und ein tiefes religiöses Bewusstsein das ist der Geist, aus dem ihre politische Unabhängigkeit hervorging.] Savornin Lohmans Zustimmung beruht darauf, dass er es damit als bewiesen erachtete, dass sich der niederländische Freiheitsbegriff auf die eigene Geschichte und nicht auf die Prinzipien der Französischen Revolution gründete. Bakhuizen van den Brink bestreitet in der Einleitung der Übersetzung von J. L. Motley, De opkomst van de Nederlandsche Republiek. Met inleiding van R. C. Bakhuizen van den Brink (10 Bde., s-Gravenhage, 1878) dessen Meinung, ohne ihn beim Namen zu nennen (Inleiding, vii). Witlox weist als Katholik noch im 20. Jahrhundert das haec religionis causa in seinem De Katholieken verkort in hun burgerrechten toch oprechte Vaderlanders (1925, 4) zurück. Vgl. zu dieser Frage auch A. A. van Schelven, Willem van Oranje. Een boek ter gedachtenis van idealen en teleurstellingen (Haarlem, 1933) 100-102. Verbunden werden die beiden Begriffe schlielich noch bei Jan te Winkel, der in seiner Rezension von  J. C. Breen, Hooft als schrijver der Nederlandsche Historiën in: De Nederlandsche Spectator (1894) 275a sagt: gewetensdwang ware zonder schending der privileges eene onmogelijkheid geweest: in die schending lag dus de kiem van den opstand, al was voor Philips ook de ketterij het motief om de voorrechten te schenden. [Religionszwang wäre, ohne die Privilegien zu verletzen, unmöglich gewesen. In dieser Verletzung der Privilegien lag also der Keim des Aufstandes, auch wenn für König Philipp die Ketzerei mit ein Grund war, die Privilegien zu verletzen.]

[8] Friedrich Schiller, Geschichte des Abfalls der vereinigten Niederlande von der spanischen Regierung (1788). Über Schiller als Historiker siehe: Ottokar Lorenz, Schiller in seinem Verhältnis zur Wissenschaft in: Thomascheks Preisschrift, 1862; J. Janssen, Schiller als Historiker (2. Auflage; Freiburg, 1879); Theodor Kükelhaus in Bellermans Schillerausgabe, Band VI und XIV. Vgl. F. Mehring, Schiller, Ein Lebensbild für deutsche Arbeiter, 1905, in: Gesammelte Schriften und Aufsätze, (4 Bd.; Berlin, 1929-1930) I, 199.

[9] Schillers Werke Auswahl in 10 Bänden, in: Goldene Klassiker Bibliothek, IX, 8.

[10] Ibidem, 108/9.

[11] Ibidem, 50.

[12] Ibidem.

[13] Ibidem, 110, Die Kraft also, womit es handelte, ist unter uns nicht verschwunden; der glückliche Erfolg, der sein Wagestück krönte, ist auch uns nicht versag [sic!], wenn die Zeitläufe wiederkehren und ähnliche Anlässe uns zu ähnlichen Taten rufen. Dieser Passage aus der ersten Auflage ist umso mehr Gewicht beizumessen, als Schiller sie nach seiner Enttäuschung über die Französische Revolution in der zweiten Auflage gestrichen hat.

[14] H. Leo, Zwölf Bücher niederländischer Geschichte, Zweiter Theil enthaltend die letzten sechs Bücher oder die Geschichte der Niederlande vom Beginn der Herrschaft des Hauses Burgund bis 1830 (Halle, 1835). Über Leo siehe P. Kräglein, H. Leo (1908) und G. Von Below, Heinrich Leo in: Deutsche Vierteljahrschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte, II.

[15] Leo, Zwölf Bücher niederländischer Geschichte, II, 455.

[16] Ibidem, 503/4.

[17] H. von Treitschke, Die Republik der vereinigten Niederlande in: Historische und politische Aufsätze, (4 Bd.; s.l., 1886-1897), II, 403-538.

[18] Ibidem, 425.

[19] Ibidem, 427.

[20] Ibidem, 416.

[21] Ibidem, 418.

[22] Ibidem, 427.

[23] J. L. Motley, The Rise of the Dutch Republic, 1555-1584. Wir verwendeten die The Worlds Classics Ausgabe in 3 Bänden (1906).

[24] Siehe dazu Funote 6.

[25] Motley, Rise of the Dutch Republic, Introduction by Clement Shorter, S. vii.

[26] Motley, Opkomst van de Nederlandsche Republiek, 131, R. C. Bakhuizen van den Brink schwärmte derart für Motleys Werk, dass er es als ganzes übersetzen lie und mit Anmerkungen versah. In der wichtigen Einleitung erklärt Brink jedoch, ebensowenig wie Fruin ein kritikloser Bewunderer Motleys zu sein. Besonders gegen Motleys Sicht, dass mit dem Aufstand auch der Gegensatz germanisch-romanisch ausbrach, und gegen seinen Vergleich mit dem germanisch-keltischen Gegensatz von früher setzt er sich zur Wehr. Zie ik wel, dan heeft de omwenteling hare zegenrijke gevolgen gehad, omdat zij was voorbereid door vorsten uit vreemden stam, omdat zij begon, toen de band dezer landen met Duitschland was losgeknopt, omdat zij hare aanleiding in eerste krachten putte uit de meeningen en hartstogten, die uit het zuiden binnendrongen (Inleiding, S. ix). [Wenn ich es recht sehe, so sind die segenbringenden Folgen der Revolution darauf zurückzuführen, dass sie durch Fürsten anderer Herkunft vorbereitet wurde, denn sie begann, als der Band dieser Länder mit Deutschland bereits gelöst war. Denn ihren Anlass und ihre ersten Kräfte schöpfte sie aus den Meinungen und Leidenschaften, die aus dem Süden eingedrungen waren.] Vgl. dazu auch den Schluss von Anmerkung 28 (Teil I, S. 283).

[27] Ibidem, 183.

[28] O. von Corvin-Wiersbitzky, De Tachtigjarige oorlog der Nederlanders tegen de Spaansche overheersing (6 Bde.; Amsterdam, 1842-1848) XV.

[29] M. Ritter, Über die Anfänge des niederländischen Aufstandes Historische Zeitschrift, 58 (1887) 385. Was diese um Archive, gelehrte Gesellschaften und hervorragende Lehrer gescharte Armee an Quellen und Einzelforschungen zu Tage gefördert hat, droht nachgerade unübersehbar zu werden. Ibidem, 385-386.

[30] Groen van Prinsterer, Handboek der Geschiedenis van het Vaderland (6. Auflage; Amsterdam, 1895) Paragraph 128. Die 8. und letzte Auflage wurde von Rullmann im Jahre 1928 herausgegeben. Vgl. auch noch H. Smitskamp, Groen van Prinsterer als historicus (Diss. Vrije Universiteit Amsterdam, 1940) II wel had hij gelegenheid gevonden om in zijn Antwoord aan mr. M. C. Van Hall (1844) vlot en vurig zijn nieuwe beschouwing over den opstand tegen Spanje [...] te verdedigen. [Wohl hatte er Gelegenheit gefunden, in seiner Antwort an M. C. van Hall (1844) flott und leidenschaftlich seine neue Betrachtung über den Aufstand gegen Spanien [...] zu verteidigen.]

[31] Groen, Geschiedenis van het Vaderland, Paragraph 129.

[32] Motley, Opkomst van de Nederlandsche Republiek, Inleiding, S. xi.

33 R. C. Bakhuizen van den Brink, De beweegredenen van onzen opstand tegen Spanje in: Studiën en Schetsen (5 Bände; s-Gravenhage, 1913) V, 320.

34 R. Fruin, Het voorspel van den 80-jarigen oorlog in: Robert Fruins Verspreide Geschriften (10 Bände;

s-Gravenhage, 1900-1905) I, 273. Van Vloten opponierte bereits gegen diesen Standpunkt. Dat hoofdbeginsel was [Das Hauptprinzip war] (nicht das nationale, so wie Fruin will, sondern) het meest belangelooze, dat van den godsdienst [das belangloseste, nämlich das der Religion]. Joh. van Vloten, Nederlands Opstand tegen Spanje, (1546-1577) (4 Bände; Haarlem, 1856-1860) IV.

35 Dieselbe Differenzierung des Geschichtsbildes durch die Verwissenschaftlichung der Geschichtsforschung und -schreibung gilt im Übrigen auch für die spanische Seite des Bildes. Ursprünglich standen einander auch hier ein schlechter und ein guter Philipp gegenüber, zwischen denen man sozusagen wählen konnte, aber die jeder für sich doch ein Bild geben. Dr. J. Brouwer schreibt in seinem Aufsatz Een Onopgelost Raadsel. Philips II en Medina Sidonia in: Studiën (April 1938) 343: Na Gachard kennen wij zoovele schakeeringen in den mensch Philips, dat wij zijn gelaat niet meer met enkele rake trekken kunnen teekenen, en Hume, Merriman e.a. hebben ons op politiek gebied zulke veelzijdige vraagstukken en zooveel verschillende pogingen tot oplossingen der betreffende gegevens van den staatsman Philips voorgelegd, dat geen enkel definitief beeld van Philips den Koning ons meer kan bevredigen [Nach Gachard kennen wir so viele Schattierungen des Menschen Philipp, dass wir sein Antlitz nicht mehr mit wenigen charakteristischen Zügen zeichnen können, und Hume, Merriman et al. haben uns auf politischem Gebiet solch vielseitige Probleme und so viele verschiedene Versuche zur Klärung der betreffenden Daten über den Staatsmann Philipp vorgelegt, dass uns kein einziges definitives Bild von Philipp dem König mehr befriedigen kann].   

36 In der ursprünglichen Edition von Tien jaren uit den Tachtigjarige Oorlog, 1588-1598, jener von 1856-1857, lesen wir: De opstand die van het Protestantisme onafscheidelijk was [Der Aufstand, der vom Protestantismus untrennbar war]. In der zweiten (1861) und in späteren Ausgaben steht: onafscheidelijk scheen [untrennbar schien]. (De Tachtigjarige Oorlog, Tien jaren, 247). Bei jenem schien wird dann der unbekannte Autor von Avis au Comte de Leicester angeführt (Groen, Archives, II., Reihe I, 61) desquelz (droictz, libertez et privilèges) les Hollandais sont si jaloux et chatouilleux, que mesmes les Papistes nont fait difficulté de les préférer à leur religion et à la conscience [weswegen (Rechte, Freiheiten und Privilegien) die Holländer so eifersüchtig und empfindlich sind, dass sogar die Papisten keine Schwierigkeiten gemacht haben, sie ihrer Religion und ihrem Gewissen vorzuziehen]. Ein Vergleich, auch stilistisch, zwischen den verschiedenen Ausgaben, ist lehrreich.

37 Van Vloten, Nederlands Opstand tegen Spanje. Mit seiner Konzeption des Aufstandes als im Kern ein Aufstand der Bürger (volksopstand [Volksaufstand]) hängt zusammen, dass er, wenn auch selbst am allerwenigsten dieser Denkweise zugetan, die Bedeutung des Kalvinismus sehr hoch einschätzt; I, 6-10; vgl. II, 117. Für die Diskussion über das Bild des Aufstandes in der Mitte des 19. Jahrhunderts sind die folgenden Nummern aus der Van Vloten-Bibliographie von M. Mees-Verwey, De betekenis van Johs. Van Vloten (Diss. Leiden; Santpoort, 1928) wichtig: 519, 520, 522, 523, 525, 526, 531, 532. Van Vloten war sich bewusst, dass in seiner Zeit eine neue Periode für die Geschichtsschreibung über den Aufstand angebrochen war. Met Motley mag men de reeks der vroegere geschiedschrijvers gesloten achten, die met Van Meteren en Bor een aanvang nam, en in Hooft en Motley zelf haar oorspronkelijkste en kunstvaardigste vertegenwoordigers vond [Mit Motley darf man die Reihe der früheren Geschichtsschreiber als abgeschlossen betrachten, die mit Van Meteren und Bor ihren Anfang nahm und in Hooft und Motley selbst ihre ursprünglichsten und kunstfertigsten Vertreter fand]. Voorrede, II, (1858).

38 W. J. F. Nuyens, Geschiedenis van de Nederlandsche Beroerten in de XVIe eeuw (1559-1598) (8 Bände; Amsterdam, 1865-1870). Nuyens nahm in gewissem Sinne die Tradition des Jesuiten Augustijn van Teylingen (1587-1669) und dessen Opkomst der Nederlandsche Beroerten wieder auf. (Siehe über A. van Teylingen Nieuw Nederlandsch Biografisch Woordenboek, II, Spalte 1423-1424). Nachdem er erst Matthias Kochs Studie über De Oorzaken der Nederlandsche Omwenteling in de XVIe eeuw (Amsterdam, 1862) übersetzt hatte, vom niederländischen Schriftsteller J. A. Alberdingk Thijm mit Begeisterung als Gegenstück zu Montley begrüt (Nuyens, Voorwoord S. XV), schrieb er in demselben Geist sein eigenes groes Werk, das ein wichtiges Bindeglied im kulturellen Emanzipationskampf der Katholiken geworden ist und dessen Bedeutung für die Bildung einer neuen Facette in der nationalen Tradition daher nicht hoch genug geschätzt werden kann. Eine kritische Beurteilung von Nuyens Geschiedenis, soweit damals erschienen, veröffentlichte Fruin im Jahre 1867: De Nederlandsche Beroerten in de XVIe eeuw uit een Katholiek Oogpunt beschouwd in: Verspreide Geschriften, II, 1-37. 

39 W. G. Brill folgt in gewissem Sinne eher den Ideen Rankes als Fruin, weil er viel mehr reflektiert, aber gleichzeitig viel geringeres Wissen besitzt. Seine Meinung findet sich in seinen Voorlezingen over de Geschiedenis der Nederlanden (3 Bände; Leiden, 1868-1880) 3. Teil 1864, 6 und lautet wie folgt: Geene tucht noch van geestelijken, noch van wereldlijken aard, door eenigen bevoorrechten Stand uit te oefenen, ziedaar de leus van het verzet tegen de regeering en de landvoogden van Philips II. Den mensch tegenover God alleen eigen zaligheid te laten werken, en hem het vrij beheer over zijne eigen middelen te gunnen, ziedaar de strekking van den afval van de Kerk en van de afzwering des Konings. Daarmede nu vervielen de voorrechten van de middeleeuwsche standen. Wie aan den nieuwen Staat, op zulk een beginsel gebouwd, deel wilde nemen, kon niet meer zijn en moest niet meer willen wezen, dan burger. [Keine Disziplinierung, weder geistlicher noch weltlicher Natur, von irgendeinem bevorrechteten Stand auszuüben, so die Losung des Widerstandes gegen die Regierung und die Landvogte von Philipp II. Den Mensch gegenüber Gott allein seine eigene Seligkeit arbeiten zu lassen und ihm freie Verfügung über seine eigenen Mittel zu gönnen, so der Zweck des Abfalls von der Kirche und des Abschwörens vom König. Damit verfielen nun die Vorrechte der mittelalterlichen Stände. Wer am neuen Staat, auf solch eine Grundregel gebaut, teilnehmen wollte, konnte nicht mehr sein und durfte nicht mehr sein wollen als Bürger.]

40 Der niederländische Historiker P. L. Muller sagt darüber in seinem Verslag van de voornaamste werken over Nederlandsche geschiedenis in 1874, 75 en 76 verschenen, Bijdragen voor de Vaderlandsche Geschiedenis en Oudheidkunde, 2. Reihe, IX, 81: Vooral staat hij stil bij de financieele oorzaken, waarop men z.i. doorgaans niet genoeg de aandacht vestigt. Hij erkent evenwel ten volle dat de Hervorming de essentieele oorzaak is geweest van den Opstand [Vor allem konzentriert er sich auf die finanziellen Ursachen, die man seines Erachtens in der Regel nicht ausreichend beachtet. Er erkennt genauso in vollem Ausma, dass die Reformation die essentielle Ursache für den Aufstand gewesen ist]. Paillard nannte sein Hauptwerk, das erst 1876 fertig wurde, noch Histoire des troubles religieux de Valenciennes, 1560-1567 (4 Bände; Brüssel, 1874-1876). 

41 H. Pirenne, Histoire de Belgique (7 Bände; Brüssel, 1902-1929) III (2. Auflage 1912) 374-375.

42 F. Rachfahl, Margaretha von Parma, Statthalterin der Niederlande, Historische Bibliothek der Historischen Zeitschrift, V (München, 1898) 138-139.

43 Ibidem, 55-61.

44 Ernst Marx, Studien zur Geschichte des niederländischen Aufstandes. Leipziger Studien aus dem Gebiet der Geschichte, III, 2. Teil (1902) Vorwort.

45 N. M. Pakulj, Niderlandskaja Rewoljutsjija XVIw. (Moskau, 1931). Erschienen in einem Band mit W. F. Semenow, Welikaja Anglijskaja Rewoljutsjija (die Groe Englische Revolution). Der Teil von P. nimmt 113 Seiten ein.

46 Ibidem, 86-88.

47 Ibidem, 94.

48 H. A. Enno van Gelder, De Nederlandse Adel en de Opstand tegen Spanje 1565-1572, Tijdschrift voor Geschiedenis 43 (1928) 1-20, 138-159.

49 H. A. Enno van Gelder, De Oorzaken der Scheiding van de Noordelijke- en Zuidelijke Nederlanden in de 16e eeuw, Bijdragen voor de Vaderlandsche Geschiedenis en Oudheidkunde 17. Reihe, X (1938) 145.

50 H. A. Enno van Gelder, Een historiese vergelijking. De Nederlandse opstand en de Franse Godsdienstoorlogen, in: Verslag van de Algemene Vergadering der Leden van het Historisch Genootschap te Utrecht am 26. April 1930. Vgl. für den Zusammenhang zwischen Hugenotten und Geusen auch P. J. van Herwerden, Het verblijf van Lodewijk van Nassau in Frankrijk. Hugenoten en Geuzen (1568-1572) (Diss. Groningen; Assen, 1932).

51 Van Gelder, Een historiese vergelijking, 42. Es muss angemerkt werden, dass Bakhuizen in seiner schon öfter erwähnten Inleiding zur Übersetzung von Motley bereits nahe an diese Auffassung herangekommen war. Er sieht da zwei Parteien, geteilt durch die Frage: Zentralisierung oder Privilegien? Beide strebten sie nach der Einheit der Gebiete, aber die eine erachtete es dafür als notwendig, die umfangreichsten Privilegien (jene von Brabant) zu beschneiden bis auf das Niveau der übrigen Provinzen, die andere wollte die Privilegien der übrigen Provinzen gerade auf das Niveau von Brabant gebracht sehen. Die vraag moest de vraag van de dag worden, de onderzaten in twee slagorden scharen, staatsdienaren aan het hoofd van zaken brengen en omverwerpen, eindelijk een burgeroorlog in het leven roepen [Diese Frage musste die Frage des Tages werden, die Untertanen in zwei Schlachtordnungen aufstellen, Staatsdiener an die Spitze der Bewegungen stellen und stürzen, endlich einen Bürgerkrieg ins Leben rufen]. (Inl. XXI). Doch seine nationale Auffassung verbot es ihm, die Konsequenzen dieser Erkenntnis zu akzeptieren. Maar de Nederlandsche beroerten dragen zulk een karakter niet of slechts nu en dan bij uitzondering. Het is de opstand ééner natie tegen de overheersching van den vreemdeling [Aber die Mitglieder des niederländischen Rat der Unruhen verfügen nicht oder nur hie und da ausnahmsweise über seinen solchen Charakter. Es ist der Aufstand einer Nation gegen die Vorherrschaft von Fremden] (ibidem).   

52 P. Geyl, Geschiedenis van de Nederlandsche Stam (3 Bände; [Amsterdam], 1930-1937) I. Vgl. meine Besprechung hiervon in Het Onvoltooid Verleden (Amsterdam, 1937) 204. Wir sprachen im Text von einem neuen Element. Es wurde durch die Abänderung der Problemstellung bei Geyl verursacht. Nicht die Ursachen des Aufstandes interessieren ihn in erster Linie, sondern die der Spaltung, die deren Folge war. Am deutlichsten hat er dies in seiner Kritik an Montley auseinandergesetzt. Siehe sein The Revolt of the Netherlands, (1555-1609), (London, 1932), Preface

53 R. Fruin, De drie tijdvakken der Nederlandsche Geschiedenis in: Verspreide Geschriften, I.

54 E. T. Kuiper, Het Kalvinisme en onze Opstand tegen Filips II. Beilage zum Programm des Gymnasiums von Amsterdam für den Kurs 1918-1919, S.3

55 J. C. H. de Pater hat seine Vorstellung vom Aufstand auch im dritten Band der unter Redaktion von H. Brugmans erschienenen Geschiedenis van Nederland (8 Bände; Amsterdam, 1935-1938) dargelegt. Der Text geht jedoch auf einen [zur Zeit der Entstehung des Textes, Anm. d. Ü.] noch nicht publizierten Vortrag von Dr. de Pater zurück, gehalten auf der Konferenz nord- und südniederländischer Historiker in Rotterdam, Ostern 1939. Wir bekunden hier unseren Dank an Dr. de Pater für die Bereitwilligkeit, mit der er uns Einsicht in sein Manuskript nehmen lie. Ein kurzer Bericht über den oben gemeinten Vortrag und die darauf folgende Diskussion findet sich in Nederlandsche Historiebladen 2 (1939) 320. 


56 Van Schelven, Willem van Oranje. Unser Thema hatte Van Schelven schon früher beschäftigt. Vgl. seinen Artikel Het begin van het gewapend verzet tegen Spanje in de 16e eeuwsche Nederlanden in: Handelingen en Mededeelingen van de Maatschappij der Nederlandsche Letterkunde, 1914-1915, 126 und Het Begin van het gewapend Verzet tegen Spanje, Bijdragen voor de Vaderlandsche Geschiedenis en Oudheidkunde, 6. Reihe, II (1925) 126. Er war in diesen Artikeln zum Ergebnis gekommen, dass dieser Beginn dargestellt wurde durch die effracties (das Befreien von Gefangenen) im Jahre 1561 auf Anstiftung der reformierten Konsistoren. E. T. Kuiper hat dies in seinem bereits genannten Aufsatz auf Seite 18ff (siehe dazu Funote 54) bestritten, aber laut De Vrankrijker in seiner Dissertation (siehe dazu Funote 5) op grootendeels onjuiste gronden [auf grötenteils falschen Grundlagen], auch wenn er mit Kuipers Ergebnis trotzdem übereinstimmt (These X). In seinem Willem van Oranje, S. 105-110, behandelt Van Schelven diese Frage aufs Neue, ohne allerdings seine Opponenten ausdrücklich zu widerlegen. Man sieht, dass Übereinstimmung auch in einer so verhältnismäig begrenzten Angelegenheit, die die Frucht einer sauber wissenschaftlichen Detailstudie ist, nicht einfach zu erreichen ist, um nicht mehr zu sagen.

57 Vgl. Funote 5 [Anm. d. Ü.]

58  Vgl. dazu Funote 1.

59 Zitiert bei Mehring, Schiller, 198.

60 Weiter ausgearbeitet habe ich diesen Gedanken in einem Vortrag mit dem Titel Nieuwe Stromingen in de Geschiedwetenschap in: In Opdracht van de Tijd, 46-72. Vgl. meine Theoretische Geschiedenis (Groningen, 1946).

61 R. Fruin, Verspreide Geschriften, III, 438.

 

 

 

Last Modified: 25-4-2010 18:32